Evangelischer Religionsunterricht

Religion, die verbindet

In unserem Projekt „Reli-homepage 2005“ im evangelischen Religionskurs der Jahrgangsstufe 11 (10 evangelische, 14 katholische Schülerinnen und Schüler, sowie 1 orthodoxe Schülerin, 1 muslimischer Schüler und 1 konfessionslose Schülerin) haben wir uns Gedanken über Ziele des Religionsunterrichts gemacht und unsere Vorstellungen und Erwartungen ausgetauscht. Die wichtigsten Quellen unserer Beschäftigung sind zum einen das Positionspapier der evangelischen Kirche im Rheinland zum evangelischen Religionsunterricht und zum anderen ein Aufsatz von Karl Kardinal Lehmann Die Bedeutung des Religionsunterrichts (in: rhs 4/2004). Hier folgen nun, veranschaulicht durch Entwürfe für eine Religionsbuchgestaltung, unsere Gruppenarbeitsergebnisse.

Werteerziehung im Religionsunterricht

Religionsunterricht ist ein Schulfach, das dem allgemeinen Bildungsauftrag der Schulen in der Bundesrepublik Deutschland gerecht werden muss und deshalb nicht als "unwichtiges" Fach abgestempelt werden kann und darf. Der Bildungsauftrag beinhaltet die Förderung des Sozialverhaltens und der Persönlichkeitsentwicklung. Die Werteerziehung stellt die Frage nach Verantwortung und übermittelt Werte wie "Menschenwürde, Religions- und Gewissenfreiheit und Sorge um das Gemeinwohl". Der Religionsunterricht macht Werte direkt zum Gegenstand des Unterrichts, fördert das Sozialverhalten und Miteinander aber auch durch das Vorgehen im Unterricht, indem er Gruppenarbeit schult.

 Religionsunterricht bedeutet Aufklärung

Der Religionsunterricht besitzt aufklärerische Funktionen. Er regt zum selbstständigen Denken, zum Zweifeln und Kritiküben an. Somit ist es auch seine Aufgabe, Antworten auf kritische Fragen der Schüler zu suchen und evtl. zu finden, wobei sich beide Gruppen, nämlich Schüler und Lehrer daran beteiligen sollten. Unserer Meinung nach spielt die Kritikfähigkeit gerade im Religionsunterricht eine bedeutende Rolle, da man in diesem viel über fremde Religionen und den christlichen Glauben erfährt und diese neuen Erkenntnisse nicht nur hinnehmen, sondern auch beurteilen soll, um den für sich richtigen Glauben zu finden.

Sinnsuche und Ich-Findung im Religionsunterricht

Der Religionsunterricht soll nicht nur streng religiöse Themen behandeln, sondern offen für religiöse Fragen sein, damit er uns auf dem Weg zu unserem eigenen Glauben unterstützen kann. Denn diese Ermutigung unsere eigene Lebens- und Glaubensüberzeugung zu finden ist wichtig, um die Frage nach dem Sinn des Lebens wach zu halten. So kann man eine eigene Position im Gespräch mit unterschiedlichen Auffassungen entwickeln. Im Religionsunterricht sollte man sich also mit seinem eigenen Glauben auseinandersetzen können, was bei der Ich-Findung und der Suche nach dem Sinn des eigenen Lebens hilft.

 Eigene Probleme und Lebensfragen als Thema des Religionsunterrichtes

Ein wichtiges Ziel des evangelischen Religionsunterrichts besteht darin, den Schülern und Schülerinnen ein Diskussionspodium zu bieten, auf dem sie offen Probleme erörtern können. Hauptanliegen ist dabei z.B.: Wie schaut die eigene Entwicklung in der Zukunft aus? Man spricht dann über die Vorstellung des persönlichen Lebensweges oder andere wichtige Lebensfragen. Jede Schülerin und jeder Schüler hat die Möglichkeit, seine Anliegen, Meinungen und Fragen im Unterricht vorzubringen und sich mit den anderen dann darüber auszutauschen, was in der heutigen, doch oft sehr unpersönlichen Welt, sehr wichtig ist.

Fremde Religionen im Religionsunterricht / Erziehung zu Toleranz

Der Religionsunterricht sollte über andere Religionen und Kulturen aufklären, um Toleranz zu fördern. Der Religionsunterricht hilft uns gegenüber anderen Religionen offen zu sein. So kann er dazu beitragen, dass sich Jugendliche verschiedener Herkunft mit Interesse, Respekt und Toleranz begegnen.

Überkonfessionalität des Religionsunterrichtes

Schülerinnen und Schüler, egal welcher Konfession oder auch Religion, sollten die Möglichkeit haben am evangelischen Religionsunterricht teilzunehmen. Der Unterricht ermöglicht den Einstieg in Glaubensfragen für die, die nicht religiös erzogen worden sind. Er klärt natürlich auch über unterschiedliche (konfessionelle) Ansichten auf. Es kommt jedoch darauf an, dass die Schülerinnen und Schüler im Religionsunterricht überhaupt einen Zugang zu religiösen Fragen finden. Konfessionelle Unterschiede sind dabei nicht entscheidend. Eine konfessionelle Trennung kann nicht allen gerecht werden.

Vermittlung des christlichen Glaubens

Die christliche Erziehung wird in deutschen Familien immer mehr vernachlässigt. Deshalb ist es Aufgabe des Religionsunterrichts, den christlichen Glauben weiterzugeben. Der Glaube bietet christlich geprägten Menschen eine Orientierung bei ethischen Fragen wie zum Beispiel Stammzellenforschung, Abtreibung, Todesstrafe oder Sterbehilfe. Dieses Orientierungsangebot sollte den Schülern unterbreitet werden. So trägt der Religionsunterricht schlussendlich auch zur Verbreitung der europäisch-christlichen Leitkultur bei.

Gemeindebezug im evangelischen Religionsunterricht

Im evangelischen Religionsunterricht soll es einen Gemeindebezug geben, welcher auf freiwilliger Basis beruhen und für Interessierte zugänglich sein sollte. Es besteht z.B. die Möglichkeit Schulgottesdienste (Weihnachten, Abitur) mit der Gemeinde bzw. einem Pfarrer zu gestalten. Desweiteren können Vorträge, die den Unterrichtsinhalt betreffen, vom Pfarrer oder anderen Gemeindemitgliedern gehalten werden. Wichtig für uns ist jedoch, dass Schule nicht Kirche ist.

Projektteilnehmer/innen:
Roman Außerer, Aischa Baaske, Meron Bekele, Hakan Bektas, Bianca Berendes, Katharina Dobis, Katja Flüter, Marie Gehrke, Thomas Grieff, Bastian Herzog, Christin und Kerstin Hofmann, Gina Jansen, Christel Kaufmann, Kristina Kemper, Annika Klaus, Diana Lingelbach, Marcel Mathes, Verena Müller, Jan Opitz, Przemek Osiecki, Andreas Pullmann, Nina Röder, Juliane Schatz, Sarah Schenk, Florian Teller und Christoffer Zeh